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16. Oktober 2016 7 16 /10 /Oktober /2016 17:46
Es läuft nicht ganz rund bei den Borussen
Es läuft nicht ganz rund bei den Borussen

Fußball ist Psychologie. Ich habe keine Ahnung, von wem der Satz stammt, aber er trifft wohl in vielfacher Hinsicht zu. Manchmal läuft es, aber man gibt sich trotzdem nicht zufrieden. Man überschätzt das Potenzial der eigenen Mannschaft und fängt dann früh an, alles in Frage zu stellen. Mir kommt es vor, als wenn den alten, ergrauten Kurvenstehern und Nostalgikern mit Tante Lucy eine Krankenpflegerin erschienen war, die das ewige Leben mit Pokalen versprach. Sie brachte gute Pillen und auch Abwechslung ins lange gehegte Siechtum. Lucy verhalf den alten Kämpfern zu einigen Europareisen und einem Wir-Gefühl, das es seit der Sportpalastrede nicht mehr gab - "mit 10000 in Rom" etc. Ich gehöre zu den Ergrauten, aber mir sind die Grenzen des Wachstums dieses Vereins bewusst, und das ist meine persönliche wahre Liebe. Persönliche Nähe, Familiarität, Grenzen bei Transfers - ich bin froh, dass wir nicht Chelsea oder Real Madrid sind. Dass wir Europa immer wieder als Trophäe sehen können. Weiter aber mit dem Post-Lucy-Effekt. Die nette Pflegerin mit ihrem französischen Akzent verriet ihre Klientel - diese hat diesen Verlust nicht verkraftet. Wenn das Leben kürzer wird, dann kann man umstürzende Denkmäler einfach nicht mehr ertragen. Und nach Lucy kam ein jüngerer, intelligenter, aber irgendwie dekonstruierender Trainer mit seinen Ideen, der "zufällig" noch die Ernte der netten Altenpflegerin abstaubte. Danken konnte die Graurauten es dem Neuen nicht - und so montieren sie schon seit der ersten Niederlage an seinem Sockel herum. Es erinnert an Schalke und einen gewissen Jens Keller, dem man dort jetzt in trotziger Weise nachheult. Ja, es gibt Gründe für das klägliche Genörgle der Borussenfans - lieber steigt man ab als das Lucy-Gedenken zu entmystifizieren.

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