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21. Juli 2020 2 21 /07 /Juli /2020 08:17

Borussias Identität wird seit seiner ruhmreichen Phase durch einen eigenen Spielstil geprägt. Das war bei den Fohlen mit ihrem Tempofußball unter Weisweiler genauso wie mit dem Konterfußball unter Lattek und Heynckes. Borussia hat seit der Großkrise ab 1998 bis 2009, einer Dekade des Murksens und Improvisierens, ein System etabliert. Die wundersame Rettung 2011 unter Lucien Favre war der Wendepunkt. Ausgestattet mit einigen außergewöhnlichen Talenten wie Marco Reus und Marc-Andre Ter Stegen etablierte der Schweizer ein Ballbesitzsystem, das auf Automatismen setzte. Diese mentale Fähigkeit, die entwickelt wurde, auch die Disziplin, das Spielfeld im Kopf in Räume aufzuteilen, ist ein Guthaben, das das Spiel der Borussia relativ unabhängig macht von individuellen Akteuren. Natürlich sind Leader wie Xhaka und Kruse in einem solchen System wichtig gewesen. Die Balance zwischen Offensive und Defensive einzuhalten war das große Kunststück unter Favre. Diese Balance ging verloren und wurde dann von Andre Schubert offensivlastig verändert, mit temporärem Erfolg. Dieter Hecking brachte dann Stabilität in das unruhige System, aber er konnte den Leistungsabfall in der Rückrunde nicht verhindern, weil das Gladbacher Spiel auf Dauer berechenbar geworden war. Mit Marco Rose ist ein Schlüssel zum Erfolg das hohe Tempo der Aktionen an sich. Die Balleroberung, das frühe Anlaufen, führt zu Lücken im Gesamtspiel, die so geplant sind und mit enormem Aufwand zugelaufen werden müssen. Das Spiel lebt von hoch stehenden Verteidigern und enorm zweikampfstarken Sechsern. Dass der gesamte Kader die Mechanismen kennt, hat sich am Ende der Saison positiv bemerkbar gemacht. Deshalb ist die Tatsache, dass Borussia weniger in fertige Spieler investieren kann und auf schnelle, lernwillige, formbare Talente setzen muss, kein großes Manko. Zakaria zu halten wäre sehr gut, aber Borussia verfügt mit Kramer, Benes und Hofmann auch über laufstarke Akteure, die diese Aufgaben untereinander aufteilen könnten. Jedenfalls sind das Spielverständnis und die flexible Reaktion auf Spielsituationen die Schlüssel dafür, dass Borussia sich weiter entwickeln kann - auch ohne große Transfers. 

 

 

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